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Im Februar 2019 erhalte ich dank einer Freundin aus alten Zeiten eine Einladung zu einem Verlag. Ich habe schon einmal für einen Verlag gearbeitet, Europa Lehrmittel und es war eine sehr interessante und bereichernde Erfahrung. Alle waren freundlich, superprofessionell und sehr klar. Da zu der Zeit der Zusammenarbeit mit dem Europaverlag die Schule auf dem Mars gerade unfreundlich, unprofessionell und unklar wird, tut es mir gut zu wissen, dass das nicht der Standard ist.

Der Verlag befindet sich auch auf dem Mars, lassen wir den Namen mal weg. Aber wer weiß, was "Absatz" auf Englisch heißt, ist schon ganz nah dran. Lustigerweise stellt der Verlag unter anderem Tittenkalender her, was mich wundert. Erstens dachte ich, dass Menschen mit Geschmack so etwas lassen und zweitens wusste ich nicht, dass man damit Geld verdienen kann. Ich dachte immer, es gebe sie nur als Werbegeschenk.

Ich bin eingeladen, weil es in so einem Verlag immer mal wieder zusätzliche Arbeit gibt und der Lektor sehen will, ob er mich für gelegentliche Zusatzjobs gebrauchen kann. Als er von meinen beiden Ausbildungen als Lehrerin und als Zweiradmechanikerin erfährt, ist er sofort Feuer und Flamme und möchte Fahradbücher machen. Er möchte mit einem Kaufratgeber E-Bike beginnen und ich finde die Idee super. Kunden und Kundinnen sind von der Vielfalt des Marktes häufig überfordert und von der Preisgestaltung auch. E-Bike ist ein Wachstumsmarkt und keine Modeerscheinung, ein kleiner Ratgeber könnte sich also lohnen.

Sogar Harley macht jetzt welche.

Ich verlasse den Verlag mit dem Auftrag, ein Konzept zu schreiben, was ich eine Woche später erledigt habe. Das Konzept stößt auf Zustimmung und ich schreibe ein erstes Kapitel. Auch die Art, wie ich schreibe, stößt auf Zustimmung. Jetzt brauche ich nur noch einen Vertrag. Die Verwaltung ist etwas zäher als ich gehofft hatte, den Vertrag bekomme ich erst im Mai und nach der Androhung nicht weiterzuschreiben, bis ich ihn habe. Das bin ich vom Europaverlag anders gewöhnt.

An der Schule habe ich eine wundervolle Kollegin, die meine Texte auf Allgemeinverständlichkeit liest und mich obendrein auch noch lobt. Ich bin also hochmotiviert und es geht gut voran. Mein Zeitplan steht, zum 31.12. soll ich das Manuskript abgeben und ich denke, dass ich im Plan bleibe. Nach den Sommerferien finden alle, dass wir uns im Verlag mal wieder zusammensetzen sollten, um die nächsten Schritte zu besprechen. Das Büchlein soll im Frühjahr 2020 erscheinen.

Ein zweiter Lektor kommt dazu, auch er sehr sympatisch und von dem Projekt angetan. Das Gespräch läuft sehr gut wir haben alle ähnliche Vorstellungen. Das Gespräch läuft gut, bis die Tür aufgeht. Ich weiß, dass es der Verleger himself ist. Auf der Didacta habe ich den Verleger des Europaverlages mal nicht als solchen erkannt und mir geschworen, dass mir das nicht noch einmal passiert. Also habe ich diesen vorher sicherheitshalber gegoogelt. Die gegenseitige Abneigung ist unmittelbar und in einer Zehntelsekunde beschlossen. Ich glaube für Narzisten mittlerweile einen eigenen Detektor zu haben, so oft wie sie mir in Führungsetagen begegnet sind. Dummerweise komme ich mit ihrem Führungsstil nie zurecht. Narzisten erwarten, dass man ihnen schmeichelt und erst einmal eine irgendwie geartete Unterwerfungsgeste abliefert. Ich liefere Texte und Unterricht, für etwas anderes werde ich nicht bezahlt.

Aber der Sack in den 60ern, der gerade hereingekommen ist, ist nun mal der Sack mit der Macht. Begleitet wird er von einem riesigen Hund, der auf mich zukommt und mir seinen riesigen Schädel auf die Schulter legt. Ich finde seine Anwesenheit in einer Arbeitsbesprechung unangenehm, ich Angst vor Hunden, seit meine Freundin Andrea von so einem Vieh ins Gesicht gebissen wurde und ihre Züge nur behalten durfte, weil sie an einen geschickten Chirurgen geriet.

I photographed this amazing dog in a small park. He was with his “master”, who was a little kid, not much bigger than his pet. The original photo was VERY unsightly, but I saw something amazing behind this “unsightness”. I took it home, passed it through Photoshop, and the result was a wonderful sight! It’s like I can see this ordinary animal’s personality! (If you want to see a before-and-after, check out http://rotalex.wixsite.com/photography/about at the end of the page) Eventually, I started a photo album named “Animal Close-Up’s”, this photo (Dog (close-up)), being Close-Up no. 1.
Photo by Alexandru Rotariu / Unsplash

Meine Fähigkeit zur Diplomatie ist nicht sehr ausgeprägt, aber ich bleibe höflich und bitte ihn den Köter abzuziehen mit der Begründung, ich hätte Angst vor Hunden. Er erwidert, der Köter sei ein Desensibilisierungsprogramm für Menschen mit Angst vor Hunden und er lässt ihn, wo er ist. Ok, der Sack hat die Macht und das Geld und geht damit auf Sendung. Im Laufe des folgenden Gespräches, das sich anteilmäßig mit Selbstbeweihräucherung befasst, fällt gleich mehrfach das Wort "geil", was aus dem Mund eines übergewichtigen Mittsechzigers ungeil wirkt. Diese Sprache finde ich in einer Arbeitsbesprechung genauso unpassend wie den Hund. Ich versuche die Assoziationen zu unterdrücken, wie er sich wohl in den Redaktionssitzungen zu den Kalendern verhält, wenn er schon bei einem Fahrradbuch so ein Widerling sein kann.

In meinem Kopf formt sich die Erkenntnis, dass ein Typ wie er es niemals ertragen wird, dass eine Frau in einem technischen Gebiet mehr weiß als er. Am Ende unserer Beprechung sehe ich ihm beim Verlassen des Raums direkt in die Augen, er schlägt den Blick nieder und ich sehe darin die Bestätigung, dass das Projekt gerade gestorben ist. Und so geschieht es dann auch. Ich werde so lange aufgefordert, das Konzept zu ändern, bis es ein Buch ist, das ich nicht mehr schreiben will. Zum Glück habe ich einen Vertrag und erhalte zumindest das Geld, das ich für das Manuskript bekommen hätte.

Verleger machen Bücher weil sie gerne Bücher machen. Der hier ist kein Verleger. Er hat ein gutes Projekt, in das seine Leute und ich schon viel Zeit investiert hatten, zerstört, weil die Autorin seiner persönlichen Eitelkeit keine Referenz erweisen wollte. Er ist einfach nur ein eitler Sack mit Geld.

Hildegard Wichmann

Hildegard Wichmann

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Bonn