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closeup photography of bowl of berries
Photo by Brigitte Tohm / Unsplash

Manchmal lernt man Dinge in einer komischen Reihenfolge.

Ich habe, wie jeder andere auch, das Wort Croissant als Bezeichnung für etwas gelernt, das zum Frühstück gut schmeckt und mir weiter keine Gedanken gemacht. Wenn ich Wodka trinke, merke ich auch lange nichts, bis irgendwann eine pendelnde Kanonenkugel mit voller Wucht meinen Kopf trifft.

Eine vergleichbare Kugel erwischt mich, als ich 1987, Studentin in Paris, entspannt und unvorbereitet in einer französischen Zeitung lese, dass nach einem Erdbeben in der Türkei das rote Croissant gute Arbeit leiste. Ich pruste vor Lachen meinen Kaffee an die Tapete, kriege mich wieder ein, löse das Rätsel und vergesse die Lösung erfolgreich.

So falle ich dann noch einmal vor Lachen vom Stuhl, als ich ein Jahr später in einem französischen Geschichtsbuch lese, dass die Türken auf Wien zumarschierten und ihr Croissant vor sich hertrugen. Dummerweise lese ich so etwas immer, wenn ich gerade etwas trinke und so muss wieder eine Tapete dran glauben.

Ein paar Jahre später erzähle ich das Clara, die das gar nicht soo komisch findet und nur trocken meint:

-       Den Kaffee haben sie freundlicherweise ja auch gleich mitgebracht.

Warum sind diese Croissants nicht artig in ihrem Frühstückskörbchen, sondern auffällig oft in der Nähe der türkischen Kultur?

Das Verb croître heißt wachsen. Croissant ist Partizip Präsens von croître und heißt „der, die, das wachsende“.

Die Franzosen kombinieren das mit dem Wort lune und heraus kommt le croissant de la lune: das kann man mit Fug und Recht mit Halbmond übersetzen, auch wenn es vom Format nicht ganz hinhaut.

Da das jeder Frankophone zu wissen scheint, lassen wir den Mond dann einfach wieder weg und schwupps taucht an den merkwürdigsten Stellen Gebäck aus Plunderteig auf.

In einem Lexikon der populären Irrtümer steht geschrieben, dass das Croissant übrigens keineswegs aus Frankreich kommt, sondern von einem Wiener Bäckermeister erfunden wird, als Spott auf, ja wen wohl... Na klar, auf die, die vor der Stadt stehen und ihr Dings hochhalten.

So schließt sich der Kreis und croissantmäßig macht mir keiner mehr was vor.

Hildegard Wichmann

Hildegard Wichmann

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Bonn